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Interview: Klaus Steinbacher

„Ich mochte ihn umso mehr, je länger ich ihn gespielt habe“

Schauspieler Klaus Steinbacher spielt in „Der Kaiser“ den großen Fußballer Franz Beckenbauer mit sportlichem Einsatz und dem entscheidenden Blick fürs Detail.

Klaus Steinbacher verkörpert den legendären „Kaiser Franz“. (c) Eckhard Jansen

Klaus Steinbacher ist für seine Performance der Fußballer-Legende Franz Beckenbauer im Spielfilm „Der Kaiser“ für den Preis „Bester Schauspieler“ beim Blauen Panther 2023 nominiert. Im Interview spricht er über seine Rollenvorbereitung, Rebellentum im Fußball und über den unwiderstehlichen Charme von „Kaiser Franz“.

„Der Kaiser“ handelt vom legendären Fußballer Franz Beckenbauer, den Sie im Film verkörpern. Viele haben ein sehr konkretes Bild vom „Kaiser Franz“. War das für Sie herausfordernd?

Klaus Steinbacher: Oft erzähle ich meiner Familie, meinen Freunden und meinem Umfeld von meinen Rollen und erkläre, was ich so mache. Bei dieser Rolle musste ich nicht viel erklären. Ich sagte nur, „ich spiele den Kaiser“. Viele meiner Freunde sind Fußballer. Ich selbst kicke auch im Verein. Mit dem berühmten Namen Beckenbauer konnten natürlich alle etwas anfangen. Das hat auch ein bisschen Druck auf mich ausgeübt (lacht).

 

Beckenbauer war ein Unikat auf und neben dem Platz. Wie unterschied sich sein Auftritt von heutigen Fußballspielern?

Steinbacher: Bei Interviews hat er Antworten aus dem Bauch heraus gegeben – mit großer Leichtigkeit. Das hatte einen enormen Unterhaltungswert. Heute wirken die Antworten der Spieler oft gleichförmig. Nach vielen Spielen, die ich gucke, weiß ich schon vorher, was sie nach dem Spiel sagen werden. Beckenbauer dagegen war nicht vorhersehbar. Viele andere Fußballer aus seiner Zeit aber auch nicht. Wenn wir zum Beispiel an Paul Breitner denken …

 
Preisverdächtig: Als „Der Kaiser“ nimmt Klaus Steinbacher den WM-Pokal entgegen. Nominiert ist der Schauspieler selbst für die Rolle für den Blauen Panther Award (c) Stanislav Honzik
 

Auf welche Eigenschaften Beckenbauers haben Sie bei der Vorbereitung auf die Rolle besonders wert gelegt?

Steinbacher: Unter anderem auf das Kicken selbst. Mein eigenes Spiel ist ganz anders als das von Beckenbauer. Ich musste mir eine andere Körperlichkeit aneignen. Beckenbauer zeichnete sich durch seine aufrechte Haltung aus und seinen Blick über das ganze Spielfeld. Er hat kaum geschwitzt und sein Trikot ist selten schmutzig geworden. Das war aber nicht, weil er faul war, wie einige damals behaupteten, sondern weil er technisch so ultrastark war. Er hat es einfach nicht gebraucht, denn sein Stellungsspiel war überragend. Er hatte den Überblick und wusste, wann er rennen muss und wann nicht. Ich dagegen bin eher ein Kopf-durch-die-Wand-Typ und laufe sehr gerne sehr viel. Rennen, Schwitzen, manchmal auch Grätschen, das ist eher mein Ding (lacht).

 

Das mit dem Kicken ist bei Ihnen nicht einfach nur ein Zeitvertreib oder beliebiges Hobby. Den Fußball nehmen Sie richtig ernst, oder?

Steinbacher: Als Vorbereitung auf die Rolle habe ich zuhause im Verein wieder mehr gekickt und auch mehr Spiele mitgemacht. Dreieinhalb Monate vor Drehbeginn habe ich mir dabei blöderweise das Kreuzband gerissen. Das wurde echt knapp und ich bekam Angst, die Rolle während meiner Genesung zu verlieren. So bestand ein großer Teil meiner Vorbereitung in der Arbeit mit meinem Physiotherapeuten. Der beruhigte mich ganz am Anfang am Telefon: „Das kriegen wir wieder hin.“ Und so kam es auch.

 
„Schau ma moi, dann seng mas scho.“ Des „Kaisers“ liebste Lebensweisheit hat sich Steinbacher für die Arbeit am Film zu eigen gemacht. (c) Stanislav Honzik
 

Wie sah Ihre Vorbereitung abseits des Fußballplatzes aus?

Steinbacher: Gemeinsam mit einem ehemaligen Sprechdozenten habe ich sehr viel an der Sprache meiner Figur gearbeitet. Das schien mir wichtig. Ich wollte mit meinem Auftritt keine Karikatur aus Franz Beckenbauer machen. Das gab es in der Vergangenheit schon. Ich wollte, dass man mir die Figur und ihre Aussprache abnimmt und dass man dabei trotzdem Beckenbauer erkennt. Außerdem habe ich bei meiner Vorbereitung auf die Rolle mit einem Schauspielcoach gearbeitet. So eine Vorbereitung als Schauspieler kann eine einsame Sache sein, daher bin ich immer froh, im Team arbeiten zu können und auch rumzuprobieren.

 

Ihre Darstellung des Fußballerischen fällt im Film – anders als häufig im Fernsehen und Kino – sehr realistisch aus. Wurden Sie eigentlich speziell wegen ihres Sportlerhintergrunds gecastet?

Steinbacher: Na hoffentlich nicht (lacht). Der Caster Sigi Wagner kannte mich aus Theaterakademie-Zeiten. Er hatte mich bereits beim Absolventenvorsprechen an der Schauspielschule spielen gesehen – und mich danach für meine Rolle in der Serie „Das Boot“ besetzt.

 

Beckenbauer wird im Film auch als Rebell gezeigt, der ein bürgerliches Leben als Versicherungsangestellter verweigert, um seinem Traum, dem Sportlerleben nachzugehen. Konnten Sie sich als Künstler in diese Seite von Beckenbauer besonders gut einleben?

Steinbacher: Diesen Aspekt fand ich auf jeden Fall spannend. Ich wusste vorher nicht, dass Beckenbauer bei einer Versicherung angestellt war. Auch nicht, dass er erst relativ spät zum Profifußball kam. Heute ist das ja ganz anders. Die Fußballerkarrieren starten immer früher. Was mir sehr an Beckenbauers Lebenssituation in unserem Drehbuch gefiel, war seine Beziehung zum Vater. An ihm hat er sich gerieben – das war für den Film wichtig. Und auch seine Beziehung zur Mutter, deren Rückhalt für Beckenbauer extrem wichtig war. Als er längst erfolgreicher Spieler beim FC Bayern war, kam er immer noch zu seiner Mama zum Mittagessen. Das fand ich schön und sympathisch.

Beckenbauer war nicht nur für sein Spiel bekannt, sondern auch für Ereignisse in seinem Leben am Rande des Fußballfelds (c) Stanislav Honzik
 

Der Film wirft auch ein Licht auf einen heute oft vergessenen Aspekt in Beckenbauers Leben – sein Liebesleben. In dem ging es rund. Auch seine Steuerprobleme werden thematisiert. Hat sich Ihr Bild von ihm dadurch verändert?

Steinbacher: In unserem Film haben sich viele Ereignisse in Beckenbauers Leben wie ein Blitzeinschlag ereignet. Auch seine Affären. Das sind natürlich schwierige Aktionen. Unserem Regisseur Tim Trageser und mir war aber wichtig, auch das mit einem leichten Augenzwinkern rüberzubringen. So wie es auch Franz Beckenbauer gemacht hat, weshalb man ihm vielleicht weniger übel nimmt.

 

Der Film ist in der Hinsicht alles andere als eine einseitige Heldengeschichte. Hat sich Ihr Bild von Beckenbauer im Laufe Ihrer Arbeit verändert?

Steinbacher: Ich habe mir viele Spiele von ihm angesehen. Mich hat schon immer beeindruckt, wie sehr Beckenbauer gestrahlt hat auf dem Spielfeld. Aber so geht es vermutlich jedem Fußballfan. Je länger ich mich auf den Dreh vorbereitet habe, umso mehr hatte ich das Gefühl, dass es nicht nur sein fußballerisches Talent und seine Leidenschaft für das Spiel waren, die ihn zu seinen Erfolgen geführt haben. Ich glaube, Franz Beckenbauer wollte in seinen jungen Jahren unbedingt gewinnen. Wenn er einen Titel gewonnen hatte, musste der nächstgrößere her. Und weil er Weltmeister als Spieler wurde, musste er auch als Trainer den Weltmeistertitel holen. Das klingt erstmal ein bisschen unsympathisch, ist aber irgendwie auch inspirierend und beeindruckend. Diese Unbedingtheit und vielleicht auch der Getriebene in Franz Beckenbauer hat mich noch mehr interessiert als der technisch brillante Fußballer. Ich mochte ihn umso mehr, je länger ich ihn gespielt habe.

 

Gibt es einen Wesenszug, eine Charaktereigenschaft Beckenbauers, die Sie mit Ihrer Rolle entdecken konnten und die Sie weiter begleiten wird?

Steinbacher: Die Dinge auch dann leicht zu nehmen, wenn sich der Druck erhöht oder es richtig scheiße läuft. Das werde ich mitnehmen. Mein Motto für jeden Drehtag war: „Schau ma moi, dann seng mas scho“. Das hat mich freier gemacht beim Spielen. Dann hab ich am Morgen unter der Dusche „Gute Freunde kann niemand trennen“ gesungen und bin danach ans Set gefahren. Von dieser Leichtigkeit möchte ich mir auch in Zukunft für mein Leben etwas mitnehmen.