Unsere Träger:
Eine Veranstaltung der:
Image Alt

Blauer Panther

  /  2022   /  Hintergrund: „Die Discounter“

Hintergrund: „Die Discounter“

Ein echtes Comedy-Schnäppchen

Die Mockumentary „Die Discounter“ vereint Impro-Comedy und Coming-of-Age zu einer explosiven Mischung

Hat's jemand gesehen? Filialleiter Thorsten (Mark Hosemann) ist eher weniger zum Lachen, wenn das Team von Feinkost Kolinski vor laufenden Kameras zu nichtsnutziger Höchstform aufläuft.

Bei „Feinkost Kolinski“ in Hamburg-Altona ist Arbeiten eher Nebensache. Im Zehnteiler „Die Discounter“ (Prime Video) regieren zwischen den Regalen Herzschmerz, Intrigen und Alltagschaos. Der teils improvisierte Comedy-Spaß im Mockumentary-Stil geht für den Publikumspreis „Beliebteste Serie” ins Rennen.

„Hier gibt es nur eine wichtige Regel und die lautet: Fick den Supermarkt, wo du nur kannst.“ Neuzugang Titus (Bruno Alexander) weiß Bescheid. Arbeiten ist bei Feinkost Kolinski in Hamburg-Altona ohnehin eher Nebensache. Dabei sieht es nicht gut aus für den kleinen Supermarkt. Weil die Umsatzzahlen nicht stimmen, herrscht bei Filialleiter Thorsten (Marc Hosemann) mächtig Druck im Kessel. Dass er deshalb den Etat für Überwachungskameras zur Bilanzverbesserung benutzt hat, macht die Sache nicht einfacher. Obendrein gibt es Stunk mit der Konkurrenzfiliale in Eimsbüttel und seine Angestellten haben auf das verordnete Team-Training null Bock. Schließlich hat Thorstens Crew echt Wichtigeres zu tun – sich zoffen, verbünden, ver- und entlieben beispielsweise. Dazwischen wird genörgelt, geklaut und über das Leben sinniert. Kurz: Feinkost Kolinski ist ein hochdramatischer Mikrokosmos mit reichlich Rabatz-Potential.

Daumen hoch für die Mockumentary: Ladendetektiv Jonas nervt Fahri Yardım beim Einkauf (c) 2021 Amazon.com, Inc. or its affiliates

Impro-Comedy zwischen Cringe und Selbstoffenbarung

Die zehnteilige Comedy-Reihe „Die Discounter“, von Pyjama Pictures für Prime Video produziert, zeigt den fiktiven  wie pannenreichen Alltag in einem Supermarkt des Grauens. Die Szenen sind größtenteils improvisiert, gedreht wurde im Mockumentary-Stil mit zittriger Handkamera. Dazwischen lassen sich die Mitwirkenden in Interviews über das Geschehen aus. Das Konzept klingt vertraut? Die rund viertelstündigen Folgen umweht zweifelsohne ein Hauch „Stromberg“. „Impro-Comedy vom Feinsten“ befand die Blaue-Panther-Jury, der auch der robuste Humor der Chaostruppe gefiel: „Da darf hemmungslos über Abwesende hergezogen, geschmacklos gewitzelt und passive Aggressivität ausgelebt werden – ganz nach dem Motto: Fremdscham ist, wenn man trotzdem lacht.“ Dennoch bietet der Comedy-Hit mehr als Cringe-Momente: „Neben treffsicherem Brachialhumor bewahrt die Serie aber auch eine Coming-of-Age-Fallhöhe, indem sie immer wieder Momente von Verletzlichkeit und Selbstoffenbarung einstreut.“

Der Mix aus Young-Adult-Comedy und Impro-Show punktet mit reichlich bitterbösem Humor, schrulligen Charakteren, deftigem Klamauk und dem, so die Jury, „erfrischend unverstellten Spiel“ des überwiegend jungen Cast. Neben Bruno Alexander als Filial-Neuzugang Titus begeistern Ludger Bökelmann als großmäuliger Peter, David Ali Rashed als cooler Samy, Marie Bloching als chronisch gelangweilte Lia, Merlin Sandmeyer als überforderter Sicherheitschef Jonas und Klara Lange als verklemmte stellvertretende Filialleiterin Pina. Musikerin Nura Habib Omer, 2020 mit ihrer Autobiografie „Weißt Du, was ich meine? Vom Asylheim in die Charts“ auf die Spiegel-Bestsellerliste, steuert als Nachwuchs-Rapperin Flora ihren Song „Niemals Stress mit Bullen“ bei. Als Schauspielveteranen sorgen Marc Hosemann, Doris Kunstmann (Frau Jensen) und Wolfgang Michael (Wilhelm) für Chaos zwischen Kühlregal und Kasse. Bonus: amüsante Gastauftritte von bekannten Gesichtern wie Christian Ulmens „Jerks“-Kumpel Fahri Yardim, „Seeed“-Frontmann Peter Fox und Schauspielerin Nina Petri.

Erfahrung trifft bei „Die Discounter“ auf frischen Witz: Emil Belton (Regie), Christian Ulmen (Produzent), Carsten Kelber (Produzent), Bruno Alexander (Regie) und Max Mattis (Producer), vorne Oskar Belton (Regie) (c) Pyjama Pictures

Junges Team mit erfahrener Rückendeckung

Hinter der Fake-Dokumentationsreihe, die von der niederländischen Serie „Vakkenvullers“ und der US-Mockumentary „Superstore“ inspiriert ist, stecken drei junge Hamburger. Regie, Skript und Schnitt übernahmen die Zwillinge Oskar und Emil Belton („Unter dem Sand“) sowie ihr Freund Bruno Alexander (der übrigens auch in der Kategorie „Bester Schauspieler“ für einen Blauen Panther nominiert ist), bekannt durch das Boris-Becker-Biopic „Der Rebell – Von Leimen nach Wimbledon“ und die Serie „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Die drei ehemaligen Schulkameraden drehen bereits seit der fünften Klasse Filme. Als Produktionsfirma ist Pyjama Pictures von Christian Ulmen und Carsten Kelber an Bord. Ex-„Tatort“-Kommissar Ulmen, spätestens seit der Erfolgsserie „Jerks“ als Freund derben Humors bekannt, wurde durch die Webserie „Intimate“ auf die Arbeit der Hamburger Jungs aufmerksam. Darin erzählen junge Menschen mit reichlich Selbstironie von peinlichen, verrückten, bewegenden Momenten in ihrem Leben. Als Gaststars schauen alte Hasen wie Ulmens „Tatort“-Kollege Jan Josef Liefers vorbei. Kurz: Die Reihe war eine perfekte Aufwärmübung für „Die Discounter“.

Nicht nur die Blaue-Panther-Jury lobte das „talentierte Showrunner-Trio Oskar Belton, Emil Belton und Bruno Alexander“, auch dem Publikum gefiel der frische, diverse – und mittlerweile Grimme-Preis-nominierte – Schabernack. Nicht weiter erstaunlich deshalb, dass bereits eine zweite Staffel abgedreht ist, wiederum mit reichlich Schauspielprominenz. Unter anderem sind Kida Khodr Ramadan und Frederick Lau dabei. Der zweite Streich der Discounter-Chaostruppe startet am 11. November 2022 bei Prime Video im Stream.